Guzzi

Vorsicht, hier muß gelesen werden ... ;-)

Eine Guzzi V50 III ?

So was ödes, werdet Ihr denken. Dann überlegt mal, was es zu Beginn der Achtziger an Moppeds gab, wenn man klein ist (Rosi ist nur 156 cm), mehr als 27 PS und eine gewisse Tourentauglichkeit haben wollte, was einen Tschopper prinzipiell ausschloß. D.h., Rosi hat sogar vor lauter Verzweiflung einige probiert, fand sie aber alle eher für Gartenarbeit (Schubkarre) als zum Fahren geeignet. Und auf die Idee, mich bzw. sie in God’s own bike-country zu bedienen (England natürlich, oder dachte hier jemand an Alteisen aus Millwauky? ;-) kam ich damals noch nicht.

Also hat sie sie bei Guzzi-Heinrich in Berlin-Lichterfelde am 27.4.81 bestellt und am 6.5.81 für 6269.- gekauft. Es war die achtzehnte der ersten vierundfünfzig Stück, die nach Deutschland gekommen sind. Was aber trotzdem eigentlich nicht bemerkenswert ist ;-)

Patrick Kubans ganz private Seite ;-)

Also, zwanzig Jahre im Erstbesitz, das ist doch schon was?

Sie bekam zunächst (natürlich ;-) die damals obligaten Krauserkoffer an einem Aluträger, der sehr an einen Grillabend in Baumarktausstattung erinnerte. Die serienmäßigen Paioli-Federbeine hinten gingen schon vor Erreichen der ersten Tausend Kilometer auf einer Fahrt über die Transitstrecke Berlin - Prag kaputt, die zweiten hielten geringfügig länger, dann kamen Konis rein. “Da hat man was Gutes dachten wir ... Mit noch einem Windschild wurden etliche Kilometer von Rosi abgespult, nur mit der angegeben Leistung von 49 PS war’s nicht weit her. Meine frühere 750er Gummikuh mit 50 PS fuhr nicht nur in der Endgeschwindigkeit locker weg, auch in der Beschleunigung, dabei ist sie einen knappen Zentner schwerer, mit den jeweiligen Fahrern drauf über einen Zentner und als Inbegriff der Spritzigkeit gilt eine BMW auch nicht gerade, ein Gangwechsel gestaltet sich da ähnlich langwierig, wie bei einer Guzzi. Zum Kilometerabreiten (“.. mal eben nach Spanien fahren ...”) war das aber auch nicht so wichtig.

Bilder sind meist anklickbar

Ich mochte sie nie so besonders, bockelhart gefedert, schwerfällige Motorcharakteristik, ich (1.85m) passte nie richtig auf die harte Bank, die Wirbel des Windschilds hatte ich gerade in Kopfhöhe. Meine damalige Solo-Morini (sonst hatte ich schon längst ein Gespann - siehe “Emel”) konnte eigentlich fast alles besser: handlicher, hübscher, agiler, deutlich besserer Tooon ... Mit steigender Kinderzahl drängte ich Rosi, die Guzzi doch wegzugeben, mit der Morini kam sie doch auch klar. “Nein, das ist mein Mopped, das bleibt da!” Da muß Mann sich ja wohl fügen ...

Irgendwann später - die Jahresfahrleistung war schon lange unter 15 TKM/a gesunken - waren wir bei Pit’s Moto Italia in Konstanz zu einem Frühjahrsfest. Der Besitzer des Motorradklamottenladens nebenan hatte ein Paar Fournalès-Federbeine für die kleinen Guzzen herumliegen, eines davon undicht, dafür beide billig. Ich kannte die Dinger an meinem Gespann als ganz hervorragend und ging das Risiko ein, eventuell nur ein völlig überqualifiziertes, aber trotzdem unzulassungsfähiges Federbein für mein Zweitgespann (-> MZ) zu erstehen, denn Moto Spezial bzw. Fournalès lieferte damals nicht. So blieben sie zunächst liegen, ein Jahr später ging’s dann doch. Eingebaut - - Mein Gott, was ist die Gabel beschissen. Neue Originaldämpfer rein - naja, etwas besser, aber gut noch lange nicht. Was wir jahrelang als italienische Härte angesehen hatten und die holländischen Konis weiterführten, war schlicht nur Mist! Die Schwinge hinten bot jetzt BMW-Komfort (ohne Fahrstuhl), die Gabel verwand sich, bockelte, hupfte. Da mußte jetzt auch was geschehen. Zunächst mal einen Gabelstabi geschweißt und bei der ersten Bremsung mit dem Handhebel schier über den Lenker gefallen: die Gabel federte beim Bremsen ein, wie das halt physikalisch so bedingt ist, was aber durch die einseitige Bremse per Verspannung der Holme als Anti-Dive bislang nicht auftrat. Dann haben wir bei Pit ein Paar FAC-Gabeldämpfer gekauft, weil die noch gar nicht so alten Guzzidämpfer schon wieder schmatzten und ungleichmäßige Dämpfungskraft aufwiesen. Nun schmolz der Vorsprung der Morini langsam und die Guzzi fing an, mir Spaß zu machen.

Ich habe sie aufzuarbeiten angefangen, auch das Getriebe muckte. Und weil mich die Lego-Plastik-Optik der Anfangsachtziger eh störte, kamen Seitendeckel aus Alu (selbstgedengelt), VA-Schutzblech einer Gilera 200 vorn und einer Laverda 500 hinten dran. Zwischenzeitliche Versuche mit einer Lenkerverkleidung von der (->) Benelli konnte ich wieder abbiegen, denn Rosi ließ sich überreden, ohne Windschutz zu fahren. Dafür konnte ich den Tank einer Monza in Bestzustand zum freundlichen Preis bekommen, das sparte das Entrosten des alten. Mit VA-Lampenhaltern (aus Melkrohr ;-), tiefergelegter und körpergerecht umgeformter Sitzbank mit neu gebautem Halter mit überaus stabilem Gepäckträger gleich dran sah das Ding inzwischen deutlich besser aus.

Nun fing ich auch an, über Leistung nachzudenken, denn der 500er Motor hatte was von kleinvolumigen Japanmotoren, aber nur das schlechte: asthmatisch bei niedrigen Drehzahlen, bei hohen etwas besser, aber dabei stellte sich der häufig nötige Gangwechsel einem lockeren Fahren in den Weg, und lästig kurz übersetzt ist sie auch. Auf dem Teilemarkt in Minga erstand ich einen 650er Rumpfmotor aus Frankreich, der angeblich kaum gefahren worden sei und das auch nur ganz zart, bis die Maschine einen Unfall gehabt hätte. Naja, Luftschwingungen vergehen rückstandsfrei, aber die Kombination dessen, was von außen einfach testbar ist und des Preises passten. Als ich den Motor zerlegt hatte, zeigte sich die Ehrlichkeit des Verkäufers, der war wirklich fein. Aber den 650er Motor mit den Drehzahlen des 500er quälen? Also suchte ich ein V65-Getriebe, fand aber nur teuren Schrott.

Aber dann kam mir eine komplette, mittelmäßig abgeranzte V65 Spada über den Weg, ohne Papiere vom italienischen Markt, 1800.- HA! Meine! Noch ein Motor, diesmal komplett, das heftig gewünschte Getriebe, eine dicke Gabel, ein Winkeltrieb für den Tacho und noch zwei Brembozangen, um Rosis Kutsche damit auszurüsten. Der Rest liegt mir auch wohl auf dem Dachboden, vielleicht bau’ ich ja doch endlich mal wieder eine DZM-Welle ein, die ist schon seit sicher zehn Jahren kaputt ;-)

Gemacht, getan, schon wieder einen neuen Gabelstabi gebaut und alles zum Tüffer getragen. Der wollte ein Leistungsgutachten, weil ich noch die 28er-Vergaser und die kleinen Pötte der V50 dran habe, auch kein Problem, Honda-Kraft ist ja nur zehn Kilometer von mir.

Doktor Valvole bei der Anamnese ...

Die FAC-Dämpfer, die ich für die dicke Gabel (naja, 35 mm. Die normale hat 32 mm, an der kleinen Benelli ist genau diegleiche dran, aber die hat ja auch nur 128 kg) gekauft habe, liegen immer noch auf dem Dachboden, ihr Einbau erscheint nicht soo dringlich. Die kleine Guzzi ist faktisch mein schnellstes Mopped, der Motor hat mit den kleinen Vergasern einen Leerlauf allerbester Qualität, egal ob gerade von der Bahn auf einen Parkplatz rausgefahren, oder erst vor einem Kilometer kalt angelassen. Sein Punch wurde schon von Engländerfahrern lobenswert konstatiert, die Spurhaltung ist famos, Sitzen kann ich einigermaßen vernünftig drauf, die Morini hat keine Chance mehr- halt, doch: der Toon!

 

Ob der 750er Vierventiler da noch eins draufsetzen kann ...? ;-)

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Hier gibt es noch ein paar Guzzibilder zu sehen, die (leider ;-) nicht meine darstellen.