Riser

Der Riser ist so eine Art Amigo, kommt wie viele interessante, heutige Spreisslkästen aus Amerika, hier bei Höllein erhältlich. Es gibt ihn auch noch in einer größeren Ausführung als Riser 100 mit 100 Zoll Spannweite, also 2.54m. Ich hatte ihn zunächst als reinen Segler bei etwa 800g Masse, wegen der Praktikabilität beim Fliegen “auf der grünen Wiese” dann aber mit einem Speed 480, Cosmotech-Planetengetriebe 1:4.5, Latte 14.5x9 und sieben Zellen Sanyo KR1400 ausgerüstet. Damit kommt er auf knappe 1100g, entsprechend 27g/qdm Flächenbelastung, und hat über sechs Minuten Motorlaufzeit mit durchschnittlich 1.5m Steigleistung. Er hat schon etliche Flüge hinter sich, die ich wegen nachlassender Akkukapazität, Genickstarre, “keine Lust mehr” und Konzentrationsmangel abgebrochen habe, das Vario drin (Picolario talk - überaus empfehlenswert, kein Vergleich mit meinem früheren Rohles Vario) sorgt dafür. Ich habe ihn gelegentlich auch schon mit acht Zellen AR500 geflogen, daß reißt ihn in gut zwei Minuten auf etwa 300m hoch. Das würde eigentlich ja auch reichen, aber was soll ich sonst mit den KR1400 anfangen ...

Als Thermikgeier ist er rein nach den dafür praktischen Gesichtspunkten gebaut: die Bespannung ist dunkel, genauer: dunkellilametallic. Dadurch sieht man ihn gut gegen den hellen Himmel, wenn die trotz schwarzer Sonnenbrille zusamengekniffenen Augen wieder zu flimmern anfangen ... Durch den Metalleffekt glänzt die Fläche, das heißt, daß sie beim Kreisen auch immer mal aufblitzt. Das hilft beim Wiederfinden des Modells in 600m Höhe: "da muß er doch irgendwo sein ...". Der Versuch, das photographisch einzufangen, ist nicht ganz einfach, denn "Aufblitzen" charakterisiert sich ja durch die Kürze der Erscheinung, die man also zum richtigen Zeitpunkt erahnen muß, die Latenzzeit der Digikamera muß vorauseilend ausgeglichen werden, statt daß man die eigene Reaktionszeit ausleben darf ;-)

Die gelben Ohren sind mit Bügelgewebe bespannt, helfen bei der Lageerkennung in der Dämmerung am Hang und sorgen durch ihre Rauhigkeit für ein überaus sanftes Abreißen der Strömung ohne Abkippen.

Patrick Kubans ganz private Seite ;-)

Bilder sind meist anklickbar

Ein zarter Thermiksegler braucht unbedingt eine wirksame Abstiegshilfe, denn es ist schon nervenaufreibend, wenn das Vario bei voller Tieftrimmung großflächiges Steigen signalisiert, ein kleiner Zucker am HR-Knüppel gleich einen Looping produziert und man das Ding sowieso kaum noch sieht, so richtig gut erst dann wieder, wenn es mit angelegten Ohren wie ein Lindensamen runterkommt ... Als Landehilfe ist das eher sekundär, denn der Gleitwinkel und das Umsetzungsvermögen von Fahrt in Höhe ist bei solchen Fliegern recht gering ausgeprägt. Wenn große Störklappen 5m/s Sinken produzieren, bleiben davon in einem Dreimeterbart auf 700m Höhe noch 2m/s übrig. Das heißt weiter, daß der Abstieg auf augenschonendere 400m 150 Sekunden dauert. Wer diese zweieinhalb Minuten schon erlebt hat, hält dieses Sinken nicht mehr für zu heftig! Beim Landen hingegen gibt das gestauchte Servos und Löcher im Boden, denn 5m/s ist in etwa auch die Fluggeschwindigkeit bei langsamer Trimmung. Aber wozu hat man schließlich eine proportionale Anlage.

Die Störklappen meines Risers sind nach diesen Gesichtspunkten zu klein, mit dem, was der Flieger beim Setzen der Klappen auf die Nase geht und noch zusätzlicher Tieftrimmung reicht’s gerade mal so. Man kann sie sich leicht selbst bauen, funktioniert genauso gut, wie die fertigen Drehbremsklappen der Firma Graupner, sind genauso schnell gebaut, wie jene gekauft, dafür aber frei zu dimensionieren.

Bei der hier ungeteilten Fläche mit nur geringer V-Form in der Mitte ist es besonders einfach, hier ist nur ein durchgehender Torsionsdraht, der die Klappen über einen Aluwinkel aufdrückt und (wichtig) auch wieder zuzieht. Ich hatte einmal eine Feder eingesetzt, aber das war eine ziemliche Fummelei, die einzuhängen. Bei geteilten Flächen oder stärkerer V-Form habe ich einen Tropfen Hartlot an Ende des einen Drahtes flachgefeilt und auf das andere Ende ein Stückchen MS-Rohr aufgelötet, das ich flachgequetscht habe, so gibt es einen einfachen, kardanisch wirkenden Formschluß. Die Klappe selbst ist aus Balsa, um das ich ein dünnes (0.2mm) Alublech herumgeklebt habe. Das gibt gleich eine Scharnierhälfte, die andere ist ein Stück Alurohr. In der Fläche ist ein Brettchen auf der Profiloberseite, in dem die Klappe sitzt, denn die Bespannung muß ja auch ihren Halt finden.

Nachschlag zur Verwendung eines Varios: “Ist eh nur für Weicheier”, “ich seh’ die Thermik auch so”, “viel zu teuer” hört man üblicherweise, früher auch von mir. Alles Quark! Elektrosegler sind noch viel weicheiriger, die machen ja einfach ihre Japanthermik an und quirlen sich gefühl- und sinnlos durch alle Auf- und Abwinde durch. Daß ich Thermik selbst sehen konnte, dachte ich früher auch, wenn man sich aber eine Weile lang das Gepiepe des Varios anhört, traut man seinen Augen nicht mehr so sehr, denn der Antriebsakku ist bei Befolgung des Piepens nach einer Flugstunde immer noch dreiviertel voll, früher war er dann fast leer. In unmittelbarer Bodennähe und bei seitlichem Versatz des Fliegers klappt das noch etwas (drum lieb’ ich das HLG-Fliegen), aber alles über 50...100m ist Raten. Bis man da was Ernsthaftes optisch wahrgenommen hat, sind locker zwanzig, dreißig Meter weg oder dazugekommen, in größerer Höhe sieht’s noch übler aus. Wenn der Flieger über dem Kopf kreist, merkt man jenseits von dreißig Metern praktisch gar nix! Zum Preis: mit dem popeligen “Amigoflieger” mit Mabuchimotor mach’ vermutlich jeden 4m-6Klappen-Voll-GFK-Segler mit Klapptriebwerk und SE-Motor (aber ohne Vario) in der Thermik naß. Und andere haben ein Fahrrad mit Kohlefaserrahmen oder eine 500.- Euro teure Uhr ;-)  Und die Höhenansage per synthetischer Stimme? Tinnef, Spielerei? Es ginge auch ohne, man gewöhnt sich aber schnell daran, bei dem o.e. Heftiges-Steigen-Problem eine gute Hilfe, mehr aber noch beim Herumkrebsen im Nullschieber. Die Variofunktion pendelt um den Nullpunkt herum, ob das Kreisen was bringt, sagt sie nicht (eindeutig). Höhe abfragen, etwas kreisen, Höhe wieder abfragen -> alles klar. Bei sowas möchte ich nicht auf ein Display gucken müssen, denn dann wäre die Höhe oder das Bläschen sicher weg. Und wenn das Vario 650m Höhe ansagt, möchte ich meinen Blick auch nicht vom Flieger nehmen müssen.

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