Luftaufnahmen

Ein Einfachst-Luftbildflieger.

Ich habe auf meinen “Geht-immer”-Elektro-HLG eine Einwegkamera mit gepolstertem Doppelklebeband direkt aufgeklebt, sie ist sehr leicht und kostet nicht die Welt (diese hier war wegen Ablauf des Films zusammen mit einem Korrekturbandroller zu 5.90 DM im Ramschverkauf erstanden ;-) Nachteilig ist, daß pro Flug nur ein Bild möglich ist, zum Aufziehen muß zwischengelandet werden. Ein Microservo mit PVC-Band einwickeln und mit Silikon auf die Kamera zu kleben ist schon die ganze Befestigung.

Das funktionierte gut, die Flugeigenschaften verschlechterten sich erträglich, der Appetit nach mehr kam auf. Also: deutlich bessere Bildqualität, mehrere Aufnahmen pro Flug und als Sahnehäubchen noch ein schneller Zugriff mittels Digikamera. Als mir dann eine Praktika AKA Jenoptik mit SM-Cards (hatte ich schon von meiner Oly) mit 1024x768 und nur rund 130g für billiges Geld über den Weg lief, war die Sahne geschlagen. Der bekanntermaßen horrende Batterieverbrauch störte mich nicht, sie konnte von mir aus pro Flug einen Akkusatz leerzuzzeln, der fehlende Monitor wog und kostete nichts, der fehlende Autofocus konnte nicht vergeblich eine Schärfe in der Wolkenstruktur suchen und die Auslösung blockieren. Nur recht hoch war die Kamera. Ich wollte ihr das Servo nun doch nicht direkt auf die Kamera kleben, sie so verschmaddern und noch höher werden lassen, so habe ihr ein leichtes Kohlefaserhäubchen gebastelt, das bei der Form der Kamera noch den Vorteil hat, wie ein Legostein drauf einzurasten. Eine weitere Befestigung ist nicht nötig!

Patrick Kubans ganz private Seite ;-)

Dieses Gerät kam in einen Sunriser, den ich als ARF-Kasten zu einem ebenfalls recht freundlichen Preis erstehen konnte. Das ist der Doppelrumpfsegler mit dem einige Mitglieder der Markdorfer Modellflieger etliche Dauerflugrekorde aufgestellt hatten. Was mir allerdings zu glauben schwerfällt, denn er fliegt in der ARF-Ausführung von Jamara, Aichstetten, bescheiden, ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand die Konzentration über viele, viele Stunden aufbringt, das Ding nicht in die Kurve reinfallen oder abschmieren zu lassen ... Da ich dem Herrn Hackstein doch bessere Fähigkeiten bei der Konstruktion unterstelle, werde ich den Fertigflieger wohl mal auseinanderreißen und nach meinen Vorstellungen umstricken. So gesehen waren die 100.- DM (gegenüber 300.- Ladenpreis) noch zu teuer.

Als Antrieb ist ein Robbe Sports 420/5 mit Kruse Intro-Gear und einer Latte 13.5x7 an acht Zellen drin, er schiebt die knapp zwei Kilo locker und sehr leise nach oben. Auf dem Bild sieht man das unterlegte Blech, was das Überkreuzen der Luftschraubenblätter verhindert. Eines würde sonst beim Einschalten nicht sicher ausklappen.

Bilder sind meist anklickbar

Die Bildqualität der kleinen Praktika ist allerdings doch soo bescheiden, daß ich sie meinem kleinen Sohn weitervererbt habe, außerdem schaltet sie sich immer recht schnell ab um Strom zu sparen. Bei normaler Anwendung spielt das keine so große Rolle, aber wenn man nach einem halbstündigem Flug, bei dem man draufgehalten hat, was der Schalter hergibt, nun Resultate sehen will (“Die Speicherkarte müßte doch schon längst voll sein.”), nach der Landung feststellt, daß nur eine Aufnahme drauf ist, die aus dem im Gras liegenden Modell heraus geschossene Testaufnahme, dann überlegt man sich, ob man jetzt das Modell oder doch besser die Kamera zertreten soll. Denn die weltmeisterlichen Aufnahmen waren die eines gewaltigen Gewitterkegels über den Alpen und hätten bestimmt für den zweiten Platz beim Wettbewerb des lokalen Photoclubs “Die goldene Blende” gereicht. Daher habe ich dann doch wieder eine herkömmliche Kamera verwendet, eine Olympus µ Zoom. Aber so richtig ausgestanden ist das Thema noch nicht ...

Monate später ...

Weil die kleine Oly doch vergleichsweise schwer ist und elektronische Bilder wegen der schnellen Verfügbarkeit eigentlich wünschenswerter sind (und weil ich endlich eingesehen habe, daß der Sunriser von Jamara doch Mist ist ...), habe ich im Qualmarkt ein PenCam-Derivat im Ramschverkauf zu 30.- Euro erstanden, sie kann 640x480 Pixel. Diese Kameras haben den Nachteil, daß sie sich alle nach einer halben Minute etwa abschalten. Da diese Ausführung hier recht “locker” aufgebaut ist, habe ich sie geöffnet und die entsprechenden Kontakte nach außen geführt, auch die zum Einschalten. So kann mit einem 2K-Schaltbaustein die Kamera komplett ferngesteuert bedient werden. Leider ist sie recht schwer, wiegt mit 3 Microzellen knappe 100g, dazu kommt noch der Schalter.

Die wollte ich als separates Packerl mit Gummiringen an jeden beliebigen Flieger anbringen, nur noch das Servokabel wäre zu ‘installieren’.

Inzwischen habe ich den Schalter angelötet und die Bilder rechts aktualisiert.

 

später ...

Auf der Interex 2002 in Ostrach sprach ich mit einem Holländer, der das Problem des Abschaltens über ein Interface zum USB-Port umging, denn am Kabel laufen die Kameras ja bekanntlich als Webcam durch. Wobei mir nicht ganz klar ist, ob der Anschluß an den USB nur dazu dient, oder ob da auch tatsächlich Strom oder gar Daten fließen, denn im Webcammodus speichern die Kameras ja nicht intern. Und bei Stromverlust, sei er noch so kurz, vergessen sie alles bislang gemachte. Vielleicht meldet er sich ja mal bei mir (Hallo, Ad!), denn ich habe mich noch nicht durch das holländische Infoblatt durchgeackert ;-)

Bevor das aber alles wahr wurde, lief mir eine 2.4 GHz-Funkkamera zum vergleichsweise freundlichen Preis über den Weg. Sie kann CIF (352x288), die Bildqualität ist erbärmlich, aber sie bewegen sich und man sieht sie sofort ;-) Hier ist sie schon mit einem schützenden Überzug versehen und vor allem mit einer Sonnenblende, beim ersten Versuch war nämlich der untere Bildteil oft mächtig überstrahlt. Apropos ‘Versuch’, dabei blieb’s bislang ... Der erste war am LMH, ich flog damit um mein Haus herum, bis

er abgetrieben wurde, ich ihn nicht mehr sah und er natürlich das tat, was alle Hubschrauber wirklich wollen: runterknallen. (Das führte dann zum Kohlefaserchassis, bei “Hubi” nachzulesen ;-) Die filmischen Ergebnisse sind im wahrsten Sinn ‘zum Kotzen’, man könnte auch ‘luftkrank’ dazu sagen. Deshalb kam die Kamera mal wieder auf den Softy, dessen Ergebnisse sind besser, davon werde ich mal was herausschneiden und hier ablegen.

Die Aufnahme erfolgt mit einem Laptop mit externem Videokästchen (Fast Clipmaster) am USB. Der Clipmaster bastelt gleich selbst MPEG-1 aus dem Eingangsmaterial, der USB ist hier also kein Flaschenhals. Dafür taugt der Akku vom Läppi nix mehr ...

Resultate

Die (bescheidenen ...) Ergebnisse der Einmalkamera auf dem HLG, links ein ödes Fabrikgebäude der Firma Rapunzel, rechts das Dorf ‘Markt Legau’, in dem ich wohne

Das ist ein Ergebnis der Olympus µ im Sunriser.

Fazit

Luftbilder sind an sich langweilig: kennste eines, kennste alle. Beim eigenen Haus oder Dorf oder Stadt guckt der Eigner nochmal extra, aber dann hätte er gern eine bessere Bildqualität. Bei niedrigem Sonnenstand modelliert das Licht die Landschaft, wenn’s wenigstens was zu modellieren gibt und der Aviateur vielleicht nicht gerade in Dithmarschen wohnt ;-) Dafür sind die Aufnahmen wegen Lichtmangels gern verwackelt, der Ausschuß geht asymptotisch gegen 100%. Es ist sowieso sehr auf kurze Verschlußzeiten zu achten, die Tiefenschärfe und Entfernungseinstellung hingegen sind völlig belanglos. Leider kann man gerade die billigen und leichten Kameras i.d.R. nicht diesbezüglich beeinflussen. Richtige[tm] Luftbildkameras zu Vermessungszwecken sind üblicherweise Großformatkameras ohne Entfernungseinstellung, aber auch mit der 6x6 bekommt man schon ansprechende Ergebnisse bezüglich Schärfe und Farbsättigung. Aber vom Modell aus ...?

Beim Surfen bin ich mal auf eine Seite gestoßen, die Luftaufnahmen vom Drachen aus beschrieb. Da kann man erstens manierliche Kameras befestigen, weil a) die Tragkraft höher ist und b) der Verlust durch Absturz unwahrscheinlicher und zweitens kann der Drachen gut in einem begrenzten Raum eingesetzt werden, wer möchte schon einen Big Lift mit einer 35mm-SLR auf einem Firmenparkplatz einsetzen? Gepeilt wird da auch mit einer Funkvideokamera und ausgelöst per Fernsteuerung, die Ergebnisse sind also weit besser vorhersagbar.

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