KIS

Das heißt Keep it simple, eigentlich mit vollem Namen KIS-DLG, zweiter Namensteil für Discus-Launch-Glider. Die Firma Günther Flugspiele würde wahrscheinlich mit einem einprägsameren “Meteor” oder so ‘rüberkommen ;-)

‘98 war’s wohl, als die Amerikaner bei ihren Schmeißgeierwettbewerben mit einer neuen Starttechnik ankamen, die sie rund die doppelte Höhe erwerfen ließ: sie hielten sie am Ende des Flügels, ließen sie einmal um sich herumkreisen und schleuderten sie fort, wie weiland David den Stein gegen Goliath. Das große Debakel, den Verlust der Überlegenheit der deutschen und österreichischen F3K-Flieger konnte gerade noch so abgewendet werden ;-)  Aber die Vorteile dieser Startart waren enorm, man mußte nicht mehr Speerwerfer sein oder einen zum Bruder haben, und die Schulter tat auch nicht mehr weh. Vor allem letzteres war ein Grund für mich, auch sowas haben zu wollen, denn mich hatte mal ein nervöses Pferd am Arm gezupft, seitdem wurde ich nach einem Dutzend Tercelstarts immer wieder daran erinnert ... Im Aufwind 5/00 war ein Artikel drin, der die Technik beschrieb, das klang ehrfurchtseinflößend. Dazu unten noch mehr.

Nun bauten sich die Wettbewerbsflieger ihre Flieger eh selbst, wer welche verkaufte, tat das für teures Geld. Im Wettbewerb sicher richtig und verglichen mit anderen Klassen (F1A, F3B, ...) sogar noch sehr preiswert, aber ich wollte doch bloß auf der grünen Wiese meine Freude haben. Irgendwann bot dann Werner Stark aus Linz dann diesen doch deutlich einfacheren Holzflieger an, Preis 100.- Euronen, abzüglich eines Rabatts, der von der Plazierung mit diesem Flieger in einem Contest-Wettbewerb abhing. So holt man neue Leute in die Szene!

Im Frühsommer ‘02 mailte ich Werner an, daß ich einen brauche. Beim Wettbewerb in Kempten guckte ich mir die Startart an, wirklich beeindruckend. (Beeindruckend allerdings auch, daß Stefan Höllein mit seiner Speerwurf-Libelle als einziger “Alt”-Starter bei der Aufgabe “5 Minuten” den Tausender machte, die Starthöhe allein macht’s halt nicht ;-) Kurz drauf kam er auch, hatte einen kleinen Transportschaden (ein Ruderhorn hatte sich in ein anderes Flächenteil eingedrückt). Inhalt des Kastens: drei fertig gefräste Vollbalsaflächenteile mit bereits angeschlagenen Querrudern, das Rumpfrohr mit -kopf für die FS und zwei Leitwerksteile. Dieser Rumpfkopf ist wirklich minimiert, meinen 50mAh-Akku hätte ich nur mit Umlöten untergebracht, der Jeti Rex5 paßte von der Breite her gerade so, und die drei Servos müssen aus der 9g-Klasse sein. Und ich hätte doch soo gern mein Vario drin untergebracht, gerade in diesem Flieger erscheint es mir ungeheuer sinnvoll. Nicht die Spur einer Chance ...

Die erste Bildschirmseite ist voll, die Nur-mal-so-Reingucker sind schon wieder verschreckt weg, nun gibt’s endlich Bilder zur Belohnung ;-)

Patrick Kubans ganz private Seite ;-)

Bilder sind meist anklickbar

Es fällt auf: der lange Rumpf und das Kreuzleitwerk, das diesen Namen endlich mal verdient. Beides ist für den neutralen Start mit der hohen Seitenkraft durch die Drehbewegung nötig, meine diesbezüglichen Versuche mit dem Tercel und auch dem Zagi waren zwar lustig, aber ergaben doch eher Korkenzieher als Höhe. Das nach unten herausstehende SLW ist übrigens kein Problem, man landet in der Hand, im Gras und wenn’s doch mal Asphalt sein sollte, ist da ein Kohleroving über der Kante.

Am linken Flächenende ist ein Griffloch, mit Sperrholz verstärkt, daran packt man ihn. Alternativen wären ein senkrechter Kohlestift oder ein verstärktes “Winglet”, auch Sandpapier ward schon gesehen. Es hat bestimmt Einfluß auf die Flugleistung, man könnte es auch - wie von Werner empfohlen - oben und unten mit Latexgummi vom mitgelieferten Handschuh verkleben. Ich weiß nicht, ob man davon was merkt ...

Hier kann man Bildsequenzen des Wurfs angucken (DivX 5-Avis):

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Mit den Eindrücken hatte ich ihn also zusammengebaut, dazu meine Erfahrungen mit dem Tercel (was dem mal wieder einen Flächenbruch bescherte) und den Artikel aus Aufwind 5/00 im Kopf bin ich dann auf die Wiese. Natürlich habe ich ihn erst einmal ganz brav geworfen und eingetrimmt. Nochmal zur Überprüfung, war alles brauchbar. Mit Schwung in herkömmlicher HLG-Art - auch nicht gefährlich. Da wollte ich ihn einfach mal nur kreisen lassen, ohne Loslassen. Eine Umdrehung - fühlt sich gut an, da dreht sich nix um die Längsachse rein, noch eine Drehung - was mach’ ich hier eigentlich? - und dann habe ich ihn doch gleich rausgelassen, ohne besonderen Schwung, ohne ein Gewußt-wie, einfach so. Und es ging völlig unspektakulär, auf eine zarte Speerwurfhöhe. Das war ja einfach! (Zitat eines ehemaligen Sportlers, der AOL gut findet.) Und es war erst mein vierter Start überhaupt mit dem Flieger. Der fünfte ging dann schon richtiger auf Höhe - goil! Die Auslegung des Fliegers macht also den Start völlig simpel, dafür muß man keine kunstvolle Technik langwierig üben.

Ich habe bei einem normalen Wurf eine reine Gleitzeit von 45 ... 50 Sekunden, was drüber ist, ist Gewinn, wenn’s deutlich drunter ist, dann muß ich woanders suchen, denn wo Abwind ist, ist auch Aufwind! Das gibt ein gutes Gefühl für die Luftbewegungen, wo was geht und wie man es erfolgreich mitnimmt, eine sehr schönes Fliegen und nicht so eine Plackerei wie mit dem Tercel. Da jetzt noch als sechsten Sinn ein Vario ... (Dazu habe ich mich auf der Riser-Seite schon ausgelassen.) Der KIS fliegt durch die großen Querruder recht agil, man muß ihn aber auch ständig beobachten, die Doppelknick-Zweiachser fliegen auch mal eine halbe Minute für sich allein. Das ist beim Bewandern meiner Westwindhangkante ein Nachteil, denn dabei muß ich zwei- bis dreimal an Baumansammlungen vorbei. Umgekehrt kann man auch bei jeden Hampler, den man als das Streifen einer aufsteigenden Blase vermutet, gleich beidrehen und feststellen, daß es doch wieder nur der Weidezaun war, der in den Empfänger gespuckt hat. Beim Strömungsabriß ist er sehr gutmütig und verliert vor allem kaum Höhe, ich nehme das gern für die ganz kurzen Wenden: “Da bin ich doch gerade hinten aus der Blase herausgefallen.” ;-)

Kritik an meinen KIS

  • Der o.e. Transportschaden
  • Meiner fällt in die Kurve hinein, allerdings habe ich auch die geringste, empfohlene V-Form verwendet, bei höherer sei er neutral.
  • Kein Vario möglich, aber das ist ja nur mein höchsteigener Wunsch.
  • Die Schubstangen zum QR waren zu dick (0.8mm?), die Servos knurrten solange, bis ich welche aus 0.5mm machte. Auch das Flugverhalten litt darunter, weil die QR immer “nachschleppten”.
  • Das HR muß unbedingt weit genug nach hinten an das SR gerückt werden, sonst klappt die Anlenkung nicht, weil das Zugseil keinen Weg mehr hat (siehe Bild unten).
  • Einige Ecken sind schon recht “schief” zusammengeklebt, allerdings immer nur da, wo’s höchstens dem Bastlerauge schadet, alles, was funktionieren muß, ist gut.
  • Die Wölbklappenverstellerei ist nicht so der Bringer, da Profil scheint sich dafür nicht zu eignen. Damit würde auch ein QR-Servo reichen.
  • Der CF-Stift zur Flügelbefestigung ist fest eingeklebt, nach erster Abscherung habe ich ein Stück Bowdenzugrohr als Fassung eingeklebt und kann ihn wechseln.

Ja, warum ist der eigentlich abgeschert? Ich war schon den halben Nachmittag geflogen und wollte “nur noch mal” einen letzten Wurf machen, dreh mich, werfe ... piiuuuhhh, gibt’s einen ballistischen Flug mit sportlicher Landung. Da hat’s beim Loslassen die 4mm-Nylonschraube abgerissen, die Fläche an den QR-Anlenkungen in Längsrichtung geklappt. Sonst ist nix passiert, nur ein wenig Acker am Randbogen und der Rumpfspitze. Stabil ist er also sehr, was sich auch bei späteren “kurzen Landungen” bestätigte.

Detailbilder vom vollgestopften Rumpf, von der Übertragung der QR-Anlenkung über den Tragflächenknick (funktioniert leicht und praktisch spielfrei) und von der HR-Anlenkung über ein Zugseil. Die Rückholung geht über eine Torsionsfeder, die wie eine Krampe oder Tackernadel mit einem Ende in die Dämpfungsfläche, mit dem anderen ins Ruder eingesteckt ist. Klein, leicht, elegant gelöst.

Dezember ‘02

Und ich konnte mir das mit dem Vario doch nicht verkneifen. Weil der Rumpf wirklich platzoptimiert ist und das kleine Picolario nicht die Spur einer Chance hat, dort reinzupassen, habe ich eine neue Haube gemacht: ein Gipsmodell auf den Rumpf und drübergeharzt. Die Flugerprobung steht noch aus.

Rechts sieht man den Vergleich zur alten Haube.

So ganz toll war das noch nicht, denn das Vario paßt zwar, wiegt aber auch, beim Drehen habe ich mehrfach die Haube mitsamt Vario davongeschlenzt ;-) Dafür war aber nach hinreichender Befestigung trotzdem keine Thermik an dem sonnigen Dezembernachmittag auszumachen ...

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